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Alexandria in Ägypten: Was von der antiken Stadt geblieben ist

Mittelmeer

Alexandria in Ägypten: Was von der antiken Stadt geblieben ist

Alexandria in Ägypten ist die zweitgrößte Stadt des Landes und die einzige, die zum Meer hin liegt statt zur Wüste. Alexander der Große gründete sie 331 v. Chr., und von dieser Stadt ist oberirdisch fast nichts mehr zu sehen. Was bleibt, ist eine lange Uferpromenade am Mittelmeer, ein arbeitender Hafen, guter Fisch und eine Handvoll wirklich sehenswerter Orte.

Lohnt sich Alexandria überhaupt?

Das hängt davon ab, weswegen Sie nach Ägypten gekommen sind. Wenn Sie sieben Tage haben und Luxor oder Assuan noch nicht kennen, fahren Sie zuerst dorthin — die pharaonischen Stätten sind stärker, und Alexandria läuft Ihnen nicht weg. Ab zehn Tagen, oder wenn Sie den Nil schon einmal gesehen haben, verdient die Stadt ein bis zwei Nächte. Sie ist ein Registerwechsel: Seeluft, griechische und römische statt pharaonischer Geschichte, und eine normale ägyptische Stadt, die ihren Alltag erledigt, statt einer Touristenmeile.

Seien Sie sich klar darüber, was Alexandria nicht ist. Kein Badeurlaub. Die Stadtstrände sind schmal, voll und vom Verkehr der Corniche eingeklemmt, und das Meer ist nicht der Grund herzukommen. Und kein Ort, an dem man durch antike Ruinen spaziert. Der größte Teil des antiken Steins liegt unter den modernen Straßen oder unter dem Hafenbecken.

Wo Alexandria in Ihre Reiseplanung gehört

Alexandria konkurriert nicht mit Kairo, Luxor oder Assuan. Es konkurriert mit dem einen freien Tag, den eine Reise übrig hat, und die Mitbewerber um diesen Tag sind bekannt: drei oder vier Nächte am Roten Meer, Dendera und Abydos ab Luxor, oder Bahariya und die Weiße Wüste vier bis fünf Stunden von Kairo. Jede dieser Ergänzungen kostet einen Reisetag, und der Fehler, den wir am häufigsten sehen, ist das Stapeln: Zwei Wochen mit drei Ergänzungen sind eine schlechtere Reise als zwei Wochen mit einer. Nehmen Sie eine davon und lassen Sie die anderen weg.

Wenn Alexandria diese eine Ergänzung wird, gehört es an den Anfang oder das Ende der Reise, direkt neben die internationalen Flüge nach Kairo. So sieht es auch auf den längeren Routen aus, die wir zusammenstellen: Bei sechzehn und achtzehn Tagen steht Alexandria am Schluss, mit zwei Nächten am Mittelmeer nach zwölf Tagen Tempel. Genau darin liegt sein Wert an dieser Stelle. Nach einer Woche Sandstein und 40 °C sind Seeluft, Fisch und eine Stadt, die nicht für Besucher gebaut wurde, eine Erholung. Zwischen die Niltage gequetscht wäre dieselbe Stadt nur ein weiterer Transfertag.

Was ist mit der Bibliothek von Alexandria passiert?

Die Bibliothek von Alexandria ist nicht in einer Nacht abgebrannt. Sie verfiel über Jahrhunderte: Feuer während der Belagerung Caesars 48 v. Chr., der Wegfall der königlichen Finanzierung, das langsame Abwandern der Gelehrten, das allmähliche Auseinanderfallen der Stadt unter römischer Herrschaft. In der Spätantike hatte sie ihren Betrieb eingestellt. Es gibt keinen einzelnen Schuldigen, und es gibt auch kein Gebäude mehr. Nichts davon ist erhalten, und wo genau sie stand, weiß niemand.

Besuchen können Sie die Bibliotheca Alexandrina, 2002 an der Corniche in Schatby eröffnet, nahe dem einstigen königlichen Viertel. Sie ist eine arbeitende Bibliothek und ein Kulturzentrum, keine Rekonstruktion. Der Lesesaal ist der Grund hinzugehen: eine riesige, schräg gestellte Scheibe von einem Gebäude, gestufte Ebenen, Licht, das durch das geneigte Dach hereinfällt. Innen gibt es kleine Museen, darunter Antiken und Handschriften. Eine Stunde reicht, sofern Sie Bibliotheken nicht ohnehin lieben — dann nehmen Sie zwei.

Und was ist aus dem Leuchtturm von Pharos geworden?

Das ist die zweite Frage, die uns zu Alexandria gestellt wird, und die Antwort fällt ähnlich nüchtern aus wie die zur Bibliothek. Der Leuchtturm stand auf der Insel Pharos an der Einfahrt des Osthafens und galt in der Antike als eines der Weltwunder. Er stürzte über die Jahrhunderte ein, und sein Stein wurde verbaut: In der Qaitbay-Zitadelle aus den 1470er-Jahren, die genau auf seiner Stelle steht, stecken Blöcke des eingestürzten Turms. Ein Bauwerk verschwindet in Ägypten selten spurlos; es wird weiterverwendet.

Was davon übrig ist, liegt im flachen Wasser vor der Festung. Einzelne Stücke wurden aus dem Hafen gehoben, darunter Sphingen, die heute an Land zu sehen sind. Sie sollten trotzdem keinen Turm suchen und auch kein Fundament, das sich begehen ließe. Wer nach Alexandria fährt, um den Pharos zu sehen, sieht eine mamlukische Festung an der schönsten Stelle der Stadt — und das ist, richtig eingeordnet, ein guter Grund hinzugehen. Falsch eingeordnet ist es eine Enttäuschung, die sich mit einem einzigen Satz vorher hätte vermeiden lassen.

Was ist tatsächlich noch zu sehen?

Die Qaitbay-Zitadelle steht auf der westlichen Spitze des Osthafens, an der Stelle des Pharos-Leuchtturms. Die Festung entstand in den 1470er Jahren für Sultan Qaitbay, und Steine des eingestürzten Leuchtturms wurden darin wiederverwendet. Innen ist sie ziemlich kahl; der Grund hinzugehen sind die Lage und der Blick zurück über die Corniche. Die Pompeiussäule im Landesinneren hat mit Pompeius nichts zu tun — sie wurde um 298 n. Chr. für Kaiser Diokletian errichtet und kostet Sie zwanzig Minuten.

Die Katakomben von Kom el-Schukafa sind die stärkste Einzelstätte. Eine Wendeltreppe bringt Sie hinunter in eine Grabanlage aus dem 2. Jahrhundert n. Chr., in der ägyptische, griechische und römische Bildhauerei dieselben Wände teilen, samt Anubis in römischer Soldatenuniform. Die unterste Ebene steht meist unter Wasser. Gleich daneben liegt Kom el-Dikka mit einem kleinen römischen Theater und einer Badeanlage. Das Griechisch-Römische Museum, 2023 nach langer Schließung wiedereröffnet, zeigt das Beste, was in der Stadt ausgegraben wurde.

Der Rest ist Atmosphäre statt Monumente: der Bogen der Corniche in der Dämmerung, die alten griechischen und italienischen Cafés in der Innenstadt, der Fisch auf Eis in Anfoushi, die als kleines Museum erhaltene Wohnung des Dichters Kavafis. Manchen ist das zu dünn. Anderen ist es der beste Tag ihrer Reise.

Die Katakomben von Kom el-Schukafa im Einzelnen

Wenn Sie in Alexandria nur eine Stätte schaffen, dann diese. Der Grund ist nicht die Größe, sondern die Mischung. In der Hauptkammer teilen sich drei Bildsprachen dieselben Wände: ägyptische Figuren in ägyptischer Haltung, griechische Gewänder und Frisuren, römische Rüstungen. Anubis, der Totengott mit dem Schakalskopf, steht in römischer Soldatenuniform da. Nirgendwo sonst in Ägypten lässt sich so knapp zeigen, was diese Stadt war: ein Ort, an dem drei Kulturen nicht nebeneinander lagen, sondern durcheinandergingen, bis auch die Bilder für den Tod gemischt wurden.

Praktisch ist es ein Abstieg. Eine Wendeltreppe führt um einen offenen Schacht in der Mitte nach unten; durch diesen Schacht wurden die Toten hinabgelassen. Unten ist es feucht und kühl, die Gänge sind niedrig, der Boden uneben, und die unterste Ebene steht meist unter Wasser und ist nicht zugänglich. Nehmen Sie sich eine gute Stunde und feste Schuhe. Die Beschilderung vor Ort ist dünn, weshalb dies die eine Stätte in Alexandria ist, bei der eine Führung den Unterschied zwischen Steinen und einer Geschichte macht.

Kom el-Dikka, die Pompeiussäule und das Museum

Kom el-Dikka liegt mitten in der Stadt und ist der einzige Ort in Alexandria, an dem man tatsächlich über antikes Pflaster geht. Das kleine römische Theater mit seinen halbrunden Sitzreihen ist gut erhalten, daneben liegen Reste einer Badeanlage und von Wohnbebauung. Es ist eine offene, überschaubare Ausgrabung, keine weitläufige Anlage — rechnen Sie mit einer knappen Stunde. Der Reiz besteht darin, dass hier das freigelegt ist, was unter dem Rest der Stadt weiterhin liegt und dort auch liegen bleiben wird, weil oben Alexandria steht.

Die Pompeiussäule ist ein kurzer Halt und trägt einen falschen Namen: Errichtet wurde sie um 298 n. Chr. für Kaiser Diokletian, mit Pompeius hat sie nichts zu tun. Rundherum stehen Sphingen, die von anderswo hergebracht wurden, einige davon aus dem Hafen gehoben. Zwanzig Minuten reichen. Das Griechisch-Römische Museum, 2023 nach langer Schließung wiedereröffnet, gehört dagegen an das Ende des Tages und nicht an den Anfang: Wer die Katakomben und Kom el-Dikka schon gesehen hat, versteht die Stücke in den Vitrinen, und wer das nicht hat, sieht Bruchstücke. In dieser Reihenfolge ist es einer der lohnendsten Museumsbesuche des Landes außerhalb von Kairo.

Die Corniche, Anfoushi und ein Vormittag zu Fuß

Die Corniche ist der Bogen, an dem sich die Stadt entlangzieht, und sie ist der Grund, weshalb Alexandria auf Fotos aussieht wie kein anderer Ort in Ägypten. Der lohnendste Spaziergang führt von der Qaitbay-Zitadelle an der westlichen Spitze am Wasser entlang zurück Richtung Innenstadt, mit dem Hafenbecken auf der einen und der Häuserzeile auf der anderen Seite. Er ist flach und lang, dauert je nach Tempo ein bis zwei Stunden, und die beste Zeit dafür ist der späte Nachmittag: Mittags ist das Licht flach und der Verkehr am dichtesten, in der Dämmerung füllt sich die Promenade mit Einheimischen.

Anfoushi, das alte Viertel hinter der Festung, ist der Gegenpol zur Promenade: eng, laut, ein arbeitendes Hafenviertel mit dem Fisch auf Eis. Landeinwärts beginnt das Straßenraster der Innenstadt, das sich gut zu Fuß erschließen lässt und in dem die alten griechischen und italienischen Cafés und die Wohnung des Dichters Kavafis liegen. Ein Vormittag Innenstadt, ein Nachmittag Stätten und ein Abend an der Corniche sind ein voller, gut sortierter Tag in Alexandria — und genau der Tag, den ein Ausflug ab Kairo nicht hergibt.

Wie kommt man von Kairo hierher?

Alexandria liegt rund 220 km von Kairo entfernt. Die Schnellzüge brauchen etwa zweieinhalb Stunden und sind die zivilisierte Variante. Auf der Straße sind es rund drei Stunden pro Richtung, mehr, wenn der Kairoer Verkehr einen schlechten Morgen hat. Tagesausflüge werden verkauft und funktionieren auch, aber Sie fahren vor Sonnenaufgang los, sehen drei Stätten im Schnelldurchlauf und sind nach Einbruch der Dunkelheit zurück. Ein langer Tag für das, was dabei herauskommt.

Eine Nacht ist das sinnvolle Minimum, zwei, wenn Sie einen Abend an der Corniche und einen langsamen Vormittag in der Innenstadt wollen. Wir legen Alexandria meist an den Anfang oder das Ende einer Reise, direkt neben die internationalen Flüge nach Kairo, statt es zwischen die Niltage zu quetschen.

Zug, Auto oder Flug: die Anreise im Detail

Der Zug ist für die meisten Reisenden die richtige Wahl, und der Grund ist nicht nur die Fahrzeit. Er startet am Hauptbahnhof Ramses mitten in Kairo und setzt Sie in Alexandria mitten in der Stadt ab, statt an einem Rand, von dem aus noch eine halbe Stunde Verkehr vor Ihnen läge. Damit fällt genau der unberechenbare Teil weg, der jede Autofahrt in Ägypten länger macht, als die Karte sagt. Sichern Sie die Plätze für den schnellen Dienst im Voraus, statt am Morgen der Fahrt am Schalter zu stehen, und planen Sie in Kairo genug Zeit bis zum Bahnhof ein: Fünf Kilometer quer durch die Stadt können zur Stoßzeit eine Stunde dauern.

Auf der Straße ist die Strecke unkompliziert. Die Wüstenstraße zwischen Kairo und Alexandria ist eine zügige, getrennte Schnellstraße und fährt sich in europäischem Tempo, anders als die meisten ägyptischen Überlandstrecken. Auf Überlandrouten stehen Sicherheitsposten, und ausländische Passagiere werden regelmäßig nach Passdaten gefragt; halten Sie Reisepass oder Kopie griffbereit. Ein eigener Wagen mit Fahrer lohnt sich vor allem dann, wenn Sie unterwegs oder an mehreren Stätten in der Stadt halten wollen, ohne für jede Fahrt ein Taxi zu suchen.

Fliegen ist die dritte Möglichkeit und selten die beste. Borg El Arab bei Alexandria (HBE) ist ein Nebenflughafen mit dünnem Verkehr; er ergibt Sinn, wenn ein Flug ohnehin in Ihre Route passt, und sonst kaum. Für die Strecke ab Kairo wäre ein Flug bis zur Landung schneller und mit Wegen, Wartezeiten und Kontrollen am Ende langsamer als der Zug. Das ist eine der wenigen Verbindungen in Ägypten, bei der die Bahn schlicht die bessere Lösung ist.

Wann ist die beste Reisezeit?

Diese Stadt läuft nach einem anderen Kalender als der Rest Ägyptens. Der Sommer liegt hier bei etwa 30 °C statt bei den 40 °C in Luxor, deshalb sind Juli und August die vollen Monate und die Uferpromenade füllt sich mit ägyptischen Urlaubern. Der Winter ist mild, aber für ägyptische Verhältnisse richtig nass: Alexandria bekommt mehr Regen als fast jeder andere Ort des Landes, rund 200 mm im Jahr, und eine graue, windige Januarwoche ist normal. Frühjahr und Herbst sind die verlässliche Wahl — warm, trocken genug, und die Stätten sind leer.

Was die Jahreszeiten konkret für Ihren Besuch bedeuten

Der Sommer dreht die übliche ägyptische Logik um. Während Luxor und Assuan im August bei rund 41 °C so leer sind wie nie und Kairo bei etwa 35 °C liegt, ist Alexandria ein paar Grad kühler und hat Wind vom Mittelmeer — und genau deshalb ist es dann voll. Die Gäste sind Ägypter, nicht Europäer, die Promenade ist abends dicht, und Zimmer sind in der heimischen Ferienzeit gefragter als im Rest des Jahres. Wer die Stadt im Sommer besucht, bekommt ihre lebendigste Fassung und die schlechtesten Chancen auf Ruhe.

Der Winter ist der Teil, den deutsche Reisende am meisten unterschätzt. Ägypten gilt als Wüstenland, und dann steht man von Dezember bis Februar bei Wind und Regen an der Corniche. Der Unterschied ist erheblich: Kairo kommt im Jahresmittel auf etwa 20 mm Niederschlag, Alexandria auf rund 200 mm. Wer im Winter herkommt, packt eine Jacke und etwas Wasserdichtes ein — Kleidung, die sonst auf keiner Ägypten-Packliste steht. Dafür bekommt er leere Stätten und eine Stadt, die ganz für sich ist.

Frühjahr und Herbst sind aus gutem Grund unsere Empfehlung. Ein Punkt gehört zum Frühjahr dazu: Ab Ende März kann der Chamsin auftreten, ein heißer, staubiger Wind aus der Wüste, der ein bis zwei Tage am Stück Sand mitbringt. Er ist unberechenbar, ruiniert selten eine Reise und macht vor allem Fotos flach. Planen lässt sich nicht um ihn herum; ein Ausweichtag im Programm ist die einzige sinnvolle Antwort darauf.

Wie läuft es sich in der Stadt?

Das hier ist eine arbeitende Millionenstadt, kein Ferienort, und sie benimmt sich auch so. Das Straßenraster der Innenstadt lässt sich zu Fuß erschließen, und die Corniche ist ein langer, flacher Spaziergang, aber die Corniche zu überqueren braucht Nerven. Der Verkehr ist dicht, die Gehwege sind uneben, Taxis sind billig und leicht zu bekommen. Angesprochen wird man weniger als in Luxor oder an den Pyramiden, weil viel weniger Besucher kommen.

Man kleidet sich konservativer, als Sie an einer Mittelmeerpromenade vermuten würden. Einheimische Frauen schwimmen bekleidet, und ein Badeanzug am Stadtstrand fällt auf. Abseits des Wassers ist normale Reisekleidung völlig in Ordnung. In der Innenstadt versteht man verbreitet Englisch, in den westlichen Vierteln deutlich seltener.

In welchem Teil der Stadt übernachtet man?

Alexandria zieht sich über viele Kilometer an der Küste entlang, und die Lage entscheidet hier mehr über Ihren Tag als die Ausstattung des Hauses. Zentral an der Corniche und in der Innenstadt sind Sie zu Fuß an den Cafés, dem Straßenraster, dem Museum und mit kurzen Taxifahrten an den Katakomben und der Zitadelle. Der Preis dafür ist die Lautstärke: Die Corniche ist eine Hauptverkehrsader und wird abends nicht leiser. Fragen Sie vor der Buchung, wohin das Zimmer zeigt, denn dieselbe Adresse kann Meerblick oder Blick auf vier Fahrspuren bedeuten.

Weiter östlich Richtung Montazah und Maamoura wird es ruhiger und grüner, das Wasser ist sauberer und die Strandabschnitte sind weniger eingeklemmt. Dafür liegt jede Sehenswürdigkeit eine Fahrt entfernt, und die Abende in der Innenstadt kosten Sie zweimal Taxi. Unsere Faustregel: Bei einer Nacht wohnen Sie zentral, bei zwei Nächten können Sie den Osten nehmen, wenn Ruhe und Wasser Ihnen wichtiger sind als kurze Wege. Wer ohnehin mit eigenem Fahrer unterwegs ist, kann die Entscheidung entspannter treffen.

Essen und Abende in Alexandria

In Alexandria isst man Fisch, und das ist keine Floskel, sondern das Verfahren: Sie wählen ihn nach Gewicht vom Eis aus, er wird gegrillt oder frittiert und mit Salaten und Brot serviert. Es ist die beste Version dieser Küche im Land, und sie ist der Grund, weshalb Ägypter aus Kairo für ein Wochenende herkommen. Anfoushi hinter der Festung ist das naheliegende Viertel dafür, aber gute Häuser gibt es entlang der ganzen Küste. Ein Hinweis, der überall in Ägypten gilt: Leitungswasser ist nicht zum Trinken, Flaschenwasser gibt es überall und kostet wenig.

Der Abend gehört der Promenade. Zwischen Sonnenuntergang und spät ist die Corniche die belebteste Stelle der Stadt, Familien sitzen an der Mauer, und die Cafés in der Innenstadt füllen sich. Das ist die Stunde, in der Alexandria am meisten hergibt, und der Hauptgrund, weshalb eine Übernachtung einem Tagesausflug so deutlich überlegen ist: Wer um vier Uhr nachmittags zurück Richtung Kairo aufbricht, bekommt genau den Teil der Stadt nicht zu sehen, für den die Leute wiederkommen.

Die europäische Schicht, die kaum jemand einplant

Neben der griechisch-römischen gibt es eine zweite, viel jüngere Schicht: Alexandria war im frühen zwanzigsten Jahrhundert eine kosmopolitische Hafenstadt, und davon stehen die Fassaden noch. Verblasste europäische Häuserzeilen, hohe Fenster, Treppenhäuser, die bessere Zeiten gesehen haben, dazu die alten griechischen und italienischen Cafés, in denen weiter Kaffee ausgeschenkt wird. Die als kleines Museum erhaltene Wohnung des Dichters Kavafis ist der einzige Ort, an dem diese Epoche wie eine Sehenswürdigkeit auftritt; der Rest ist Straße.

Deshalb ist Alexandria eine Stadt für Leute, die gerne gehen. Es gibt kein Monument, das diese Schicht für Sie zusammenfasst, und keinen Rundgang, der sie abhakt. Man läuft durch das Raster der Innenstadt, schaut nach oben und setzt sich irgendwann hin. Wer das mag, hat hier einen seiner besten Tage in Ägypten. Wer eine Liste abarbeiten möchte, findet die Stadt dünn — und beides ist eine legitime Reaktion auf denselben Ort.

Warum im Delta so wenig Antikes steht

Ein Satz erklärt, weshalb der Norden Ägyptens so viel weniger aufrechten Stein hat als das Tal. Unterägypten ist das Delta: flach, dicht bewirtschaftet, im Sommer schwül, mit Kairo an der Spitze und Alexandria an der Küste. Oberägypten ist das schmale, trockene Tal, und die Trockenheit ist der Grund, weshalb dort die Tempel noch stehen. Auch im Delta gab es Bauwerke, aber feuchter Boden und dichte Besiedlung haben die meisten davon zerstört. Alexandria ist kein Sonderfall, sondern das klarste Beispiel für eine Regel, die für den ganzen Norden gilt.

In Alexandria kommt der Hafen dazu. Ein guter Teil der ptolemäischen Stadt, darunter das königliche Viertel, liegt heute im Wasser des Osthafens, der Rest unter den Straßen der modernen Stadt. Deshalb liest sich die Liste der Stätten so kurz und deshalb kommt das Beste aus dieser Stadt aus Ausgrabungen und aus dem Wasser statt von einer Skyline. Wenn Sie das vorher wissen, ist Alexandria keine Enttäuschung, sondern eine der interessantesten Städte des Landes.

Weiter nach Westen: die Küste und Siwa

Von Alexandria aus führt die Küste nach Westen weiter, und dort endet die übliche Infrastruktur. Die Mittelmeerküste westlich der Stadt und die Oasen der Westlichen Wüste liegen außerhalb dessen, was eine normale Ägyptenreise abdeckt — lohnend, aber nichts für die erste Woche. Marsa Matruh an der Küste ist der Punkt, an dem die meisten nach Süden abbiegen, wenn Siwa das Ziel ist.

Nach Siwa sind es von Kairo rund zehn Stunden Fahrt. Es gibt weder Linienflüge noch eine Bahn. Die meisten fahren zuerst nordwestlich nach Alexandria oder an der Küste entlang nach Marsa Matruh und dann für die letzten rund vier Stunden nach Süden durch leere Wüste. Öffentliche Busse fahren nachts und sind günstig, ein Privatwagen mit Fahrer kostet mehr und lässt Sie anhalten, wo Sie wollen. So oder so passieren Sie Militärkontrollpunkte, führen Sie also Ihren Reisepass mit. Als Anhängsel an zwei Nächte Alexandria funktioniert das nicht; das ist eine eigene Reise, und sie braucht ihre eigenen Tage.

Häufige Missverständnisse über Alexandria

Das erste ist Kleopatra. Es gibt keinen Palast zu besichtigen und keinen Ort, an dem sich ihre Geschichte anschauen ließe; das königliche Viertel liegt im Hafenbecken. Das zweite ist die Bibliothek: Die Bibliotheca Alexandrina von 2002 ist ein modernes Haus an der Corniche und ausdrücklich keine Rekonstruktion der antiken Bibliothek, deren Standort niemand kennt. Das dritte ist das Mittelmeer. Eine Küste bedeutet hier keinen Badeurlaub — dafür ist das Rote Meer da, und Alexandria wäre eine schlechte und teure Ersatzlösung.

Das vierte betrifft die Zeit. Der Tagesausflug ab Kairo wird verkauft, weil er sich verkaufen lässt, nicht weil er gut ist: sechs Stunden Straße für vielleicht fünf Stunden vor Ort, und der Abend an der Corniche, der beste Teil, fällt dabei weg. Wenn Ihr Programm nur diesen einen Tag hergibt und Sie Sakkara und Dahschur noch nicht gesehen haben, ist die Zeit dort besser aufgehoben. Hat Ihre Reise zwei Nächte für Alexandria übrig, kippt die Rechnung, und zwar deutlich.

Zu wem passt Alexandria — und zu wem nicht?

Alexandria passt zu Reisenden, die zum zweiten Mal in Ägypten sind, zu Leuten, die gerne durch Städte laufen, zu Lesern, zu allen mit einem Interesse an der griechischen und römischen Antike — und zu jedem, der nach einer Woche Tempel etwas anderes braucht als noch einen Tempel. Es passt außerdem gut ans Ende einer langen Reise, wenn die pharaonische Pflicht erfüllt ist und niemand mehr um sechs Uhr aufstehen möchte.

Es passt nicht zu einer ersten Reise mit sieben Tagen, nicht zu Badegästen und nicht zu Besuchern, die ihre Zeit an antiken Ruinen messen. Unsere Empfehlung bleibt dieselbe wie oben: Auf einer kurzen Reise lassen Sie Alexandria weg und kommen mit gutem Gewissen ohne es aus. Ab zehn Tagen geben Sie ihm zwei Nächte am Anfang oder am Ende, am besten mit dem Schnellzug ab Kairo. Wer es so macht, kommt fast nie enttäuscht zurück. Wer es an einem Tag versucht, oft.

Häufige Fragen

Kann man hier im Meer schwimmen?+

Kann man, und Einheimische tun es den ganzen Sommer. Die Stadtstrände sind voll, schmal und durch eine niedrige Mauer von der Straße getrennt, und das Wasser in Hafennähe würden wir nicht empfehlen. Wenn Schwimmen wichtig ist, sind die ruhigeren Abschnitte östlich Richtung Montazah und Maamoura besser. Herkommen sollte deswegen aber niemand.

Gibt es hier etwas Pharaonisches zu sehen?+

Kaum. Alexandria wurde 331 v. Chr. gegründet, ganz am Ende der pharaonischen Zeit, und seine Geschichte ist griechisch, römisch, byzantinisch, osmanisch und modern. Sie sehen wiederverwendete pharaonische Blöcke und ein paar von anderswo hergebrachte Sphingen, einige davon aus dem Hafen gehoben. Wenn Sie Tempel und Gräber wollen, heißt das Luxor, Assuan und das Plateau von Gizeh.

Kann man zu den versunkenen Ruinen im Hafen tauchen?+

Ja, mit einem zertifizierten Anbieter, und mit gedämpften Erwartungen. Reste des königlichen Viertels und des Leuchtturms liegen im flachen Wasser des Osthafens, aber die Sicht beträgt oft ein bis zwei Meter, die Stelle ist verschlickt, und die Tauchgänge hängen vom Wetter ab. Taucher mit besonderem Interesse haben ihre Freude daran. Die meisten sehen sich die Stücke lieber im Museum an.

Sind die Katakomben beschwerlich?+

Es gibt Stufen und keinen Aufzug. Sie steigen über eine Wendeltreppe um einen offenen Schacht hinunter und bewegen sich dann durch niedrige, feuchte Gänge auf unebenem Boden. Wer auf Treppen unsicher ist, tut sich schwer, und rollstuhlgerecht ist hier nichts. Die Hauptkammer lohnt die Mühe, wenn Sie sie schaffen, und von oben gibt es dafür keinen Ersatz.

Braucht man eine Führung?+

Für die Corniche und die Bibliothek nicht. Für die Katakomben, Kom el-Dikka und das Griechisch-Römische Museum macht ein Guide, der die griechische und römische Zeit kennt, aus einem Haufen Steine eine Geschichte, denn die Beschilderung vor Ort ist dünn. Wenn Sie in Alexandria nur einen Tag mit Führung bezahlen, dann diese drei.

Wie viele Tage sollte man für Alexandria einplanen?+

Eine Nacht ist das sinnvolle Minimum, zwei sind die richtige Antwort. Mit zwei Nächten bekommen Sie einen vollen Tag für die Stätten, einen Vormittag für die Innenstadt und zwei Abende an der Corniche, und genau die Abende sind der Teil, für den man wiederkommt. Drei Nächte braucht die Stadt nur, wenn Sie ohnehin langsam reisen oder die Umgebung mitnehmen wollen.

Zug oder Auto von Kairo nach Alexandria?+

In den meisten Fällen der Zug. Die Schnellzüge brauchen etwa zweieinhalb Stunden, starten am Hauptbahnhof Ramses und setzen Sie mitten in Alexandria ab, sodass der unberechenbare Teil einer Autofahrt entfällt. Die Wüstenstraße ist zwar eine zügige, getrennte Schnellstraße, aber Kairos Verkehr und die Sicherheitsposten machen die Fahrzeit schwer vorhersagbar. Ein eigener Wagen lohnt sich vor allem, wenn Sie unterwegs oder an mehreren Stätten halten wollen.

Lohnt sich Alexandria auch im Winter?+

Ja, aber mit anderen Erwartungen. Von Dezember bis Februar ist die Stadt mild und für ägyptische Verhältnisse richtig nass — rund 200 mm Regen im Jahr gegenüber etwa 20 mm in Kairo — und graue, windige Tage sind normal. Dafür sind die Stätten leer und die Stadt gehört wieder ihren Bewohnern. Packen Sie eine Jacke und etwas Wasserdichtes ein, was sonst auf keiner Ägypten-Packliste steht.

Offizielle Quellen

Einreisebestimmungen, Öffnungszeiten, Sicherheitshinweise und Wechselkurse ändern sich. Prüfen Sie sie an der Quelle, nicht hier.

Geschrieben und geprüft von die Redaktion von Ägypten Guide · Zuletzt geprüft am . Einreisebestimmungen, Preise und Öffnungszeiten ändern sich — prüfen Sie alles Entscheidende bei den auf dieser Seite verlinkten offiziellen Stellen nach.

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